Viele Teilnehmer

 

 

 

Ansprache von Bürgermeister Harry Scheuenstuhl anlässlich des Volkstrauertages 16.11.2008 im Ehrenhain.

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

in einem alten Bauernhaus in Nordhessen fand der Künstler Slominski an einer Wand folgende Zeilen.

 

24. XII 1940 nächstes Jahr ist Frieden!

aber 1942 bestimmt Frieden!

1950 Friede

 

Diese wenigen Zeilen sind der Ausdruck

einer großen Sehnsucht, die für den Schreiber

oder die Schreiberin erst nach 10 Jahren

in Erfüllung gegangen ist.

 

Wie mag es ihm oder ihr ergangen sein? Frieden war offensichtlich einer der sehnlichsten Wünsche damals!

Und wie ist es heute?

 

Die meisten Menschen wünschen sich nichts

sehnlicher, als in Frieden leben zu können.

Ganz gleich ob in Europa, Afrika oder Asien

- niemand möchte, dass Eltern, Kinder oder

Freunde in einem Krieg verwundet oder gar

getötet werden.

 

Für sie alle ist Frieden, wenn es keinen Krieg in ihrer Heimat, ihrem Land oder ihrer Stadt gibt.

 

Doch wenn man sich mit anderen Menschen

über Frieden unterhält wird rasch deutlich,

dass jeder Mensch sich etwas anderes darunter

vorstellt.

 

Für die einen ist Frieden, wenn sie nicht

jeden Tag heftigen Streit zwischen den Eltern,

den Geschwistern oder mit den Nachbarn

erleben müssen.

 

Andere sind über die Zerstörung der Umwelt empört und fordern einen Frieden der Menschen mit der Natur.

 

„Hunger und Armut verhindern Frieden“,

denken wieder andere. Und muss nicht jeder

Mensch zuerst mit sich selbst ins Reine kommen,

damit es Frieden geben kann?

 

Der Begriff Frieden hat in vielen Sprachen

und Kulturen unterschiedliche Bedeutungen.

 

Das deutsche Wort „Friede“ zum Beispiel

bezeichnet von seinem Ursprung her soviel

wie „Freundschaft“.

 

Wahrscheinlich kennen Sie das englische

Wort „Peace“. Auch dieser Begriff hat unterschiedliche

Bedeutungen, nämlich Frieden verstanden als Abwesenheit von Krieg, Frieden auch als öffentliche Ordnung und

schließlich Frieden als Ruhe und Seelenfrieden.

 

Natürlich kümmern sich auch Wissenschaftler

um die Frage, was Frieden eigentlich ist. Der

norwegische Friedensforscher Johan Galtung

hat einen Vorschlag gemacht, wie man Frieden

verstehen kann.

 

Er unterscheidet zwischen einem negativen und einem positiven Frieden.

 

Der negative Frieden ist dann erreicht,

wenn die Waffen schweigen und es

keinen Krieg gibt.

Der positive Frieden ist schwieriger zu bestimmen, weil es so unterschiedliche Vorstellungen davon gibt.

 

Eine Gemeinsamkeit könnte darin bestehen, dass

es beim positiven Frieden um mehr Gerechtigkeit

und weniger Gewalt geht und dass

Menschen versuchen, beide Ziele gemeinsam

mit vielen anderen Menschen durchzusetzen.

Frieden bedeutet in diesem Sinne zum Beispiel

keine Ausbeutung, Chancen auf Arbeitsplätze,

Freiheit und Menschenrechte.

 

Niemand weiß, ob dieser positive Frieden

jemals vollständig verwirklicht werden kann.

Deshalb kann man auch sagen, dass Frieden

ein langer Prozess ist und dass jeder Mensch

sich an diesem Prozess beteiligen kann. In

diesem Sinn ist auch der Satz von

 

Mahatma Ghandi gemeint:

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, Friede ist der Weg