16. April Soldatengedenken

   

Am Ostersonntag, 16.4.2006 fand am Friedhof Wilhermsdorf um 11 Uhr die Gedenkfeier der Gemeinde zur Erinnerung an den Tod von 29 Soldaten, die im Kampf um Wilhermsdorf fielen wurden, statt.

Neben Bürgermeister Harry Scheuenstuhl hielt auch der 1. Vorsitzende der Soldatenkameradschaft Wilhermsdorf Walter Pfeiffer eine Ansprache. Umrahmt wurde die Feier durch die Musikkapelle.

 

Ansprache von Bürgermeisters Harry Scheuenstuhl:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wir wollen heute wieder an die 29 Soldaten erinnern, die am 16.4.1945 ihr Leben lassen mußten. Doch nicht nur diese sollen heute erwähnt werden.

 

Bereits um 6 Uhr wurden die Wilhermsdorfer aus ihren Betten gerissen, als deutsche Soldaten die Brücken über den Ulsenbach und die Bahnbrücke sprengten.

Die Leute eilten um ca. 9 Uhr in die Schutzräume, sie rannten um ihr Leben. Im größten Bunker im Brauhaus harrten ca. 1000 Menschen aus, was da kommen mag. Neuhof und Adelsdorf brannten bereits lichterloh.

Doch nicht nur in Wilhermsdorf waren die Detonationen zu hören, sondern auch in den umliegenden Ortschaften.

 

In Kirchfarrnbach waren Soldaten der Waffen-SS einquartiert. Man hatte Angst diese würden den Ort blutig verteidigen. Die Befürchtungen waren jedoch grundlos, da die Einheiten am 16.4.1945 abzogen. Trotzdem mußten die Bewohner für die Soldaten am Waldsaum des Dillenbergs Gräben ausheben. Dabei hörte man den Gefechtslärm aus Wilhermsdorf. Um 12.30 Uhr schlug die erste Granate in Kirchfarrnbach ein. Aus verschiedenen Richtungen kamen die Amerikaner und es entwickelte sich ein Artilleriegefecht mit weiter entfernten Deutschen Truppen. Viele Gebäude waren zerstört und brannten. Doch nicht nur materieller Schaden entstand.

 

Zitat: "Kurz nach dem Beschuß unserer Ortschaft durch Artillerie kamen die amerikanischen Panzer und schossen wahllos in alle Türen, die verschlossen waren. So auch durch die Kellertüre des Kellers in dem sich so viele Leute befanden. Dabei wurden meine Schwester Kätha Ruf und meine Nachbarin Lena Löw tödlich verwundet."

Leider wurden in Kirchfarrnbach, wie oft auch in anderen Ortschaften aus Furcht von der SS erschossen zu werden, beim Einmarsch, keine weißen Fahnen gehißt, so dass das Zeichen für die friedliche Übergabe des Ortes nicht zu erkennen war.

In Dürrnfarrnbach, Meierersberg, Dippoldsberg gab es nur Sachschaden.

In Altkatterbach wurde ein deutscher Soldat erschossen als er sich nicht wie seine beiden Kameraden in Gefangenschaft begab.

Kreben wurde mit Handfeuerwaffen verteidigt, dabei kam die Familie Kohler ums Leben. Georg Kohler hatte die Kellertür, in dem er sich mit seiner Frau versteckte, als das Dorf von amerikanischen Soldaten durchkämmt wurde, zugehalten. Eine Maschinengewehrsalve durch die Türe hindurch war ihr beider Tod. Ferner kamen zwei deutsche Soldaten ums Leben.

In Oberndorf starb Frau Margarete Löslein bei Löscharbeiten durch eine deutsche Granate.

 

Am 19.4.1995 wurden auf dem Kirchfarrnbacher Friedhof beerdigt der Gefreite Leonhard Richter und Oberfeldwebel Otto Knobloch.

 

Einen Tag später:

Frau Magdalena Löw, geb. Büttner aus Kirchfarrnbach

Frau Margarete Löslein, geb Krehn aus Oberndorf

Frau Katharina Ruf, geb. Kleinschroth aus Kirchfarrnach

Herr Georg Kohler aus Kreben

Frau Anna Barbara Kohler geb. Weißkopf aus Kreben

Grenadier Willy Gampf, gefallen bei Kreben.

Die Trauer in den Gemeinden war angesichts des großen Blutzolles sehr groß.

 

Am 18. Mai wurde der Volkssturmmann Johann Beugler aus Schwaig Nbg beigesetzt. Er war in Dürrnfarrnbach einquartiert und fuhr mit seinem Fahrzeug als er auf dem Weg zur Waldarbeit war, auf eine deutsche Miene.

 

Wir wollen heute gemeinsam an diesen Gräbern diesen Kranz in Gedenken an diese Soldaten niederlegen. Sie kamen im Kampf ums Wilhermsdorf ums Leben.

Es waren Soldaten im Alter von 17, 18 oder 19 Jahren. Nur der Hauptmann Heinz Frank und seine Unteroffiziere und ein Gefreiter waren um die 30 Jahre alt. Sinnlos hatten sie den Vorstoß der Amerikaner 7 Stunden lang aufgehalten und einen hohen Blutzoll bezahlt.

Sie sollen uns an die Schrecken des Krieges erinnern, der auch in Wilhermsdorf seine Spuren hinterlassen hat. 135 Gefallene und 36 Vermißte bezeugen dies.

 

Ihr sollt eine Mahnung an uns Lebenden sein, der Friede ist das Höchste Gut der Menschheit.