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Doppelhaushalt 2007/2008:
SPD-Haushaltssprecher Jürgen Dupper zum ländlichen Raum,
Bürokratieabbau und kommunalen Finanzausgleich
Das Thema „Ländlicher Raum“, so der SPD-Finanzsprecher
Jürgen Dupper in seiner Haushaltsrede in dieser
Woche im Plenum des Landtags, erfreut sich einer gewissen Konjunktur
innerhalb von CSU und Staatsregierung. Sonderbar genug, weil im Zuge
der Neufassung des jüngsten Landesentwicklungsplans davon wenig zu
spüren war. Diese Meinung äußerte zumindest der regionale
Planungsverband Donau/Wald, eine Hochburg des ländlichen Raums, der in
einem Schreiben klipp und klar feststellt: „In der Neufassung des LEP
wird der ländliche Raum teilweise schlechter gestellt als 2003“.
Nicht nur deshalb wird es allerhöchste Zeit, dass dem
Thema ländlicher Raum bzw. Förderung strukturschwacher Räume die
notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Abwanderungsgelüste
mancher oberfränkischer Gemeinden sollten die letzten überzeugt haben.
Dupper: „Die strukturschwachen Gebiete Bayerns brauchen eine klare
Perspektive. Sie brauchen zuallererst eine zielgenaue und umfassende
Wirtschaftsförderung. Ganz egal ob im Wege einer Sonderwirtschaftszone
oder als Sonderprogramm. Zudem benötigen sie gesonderte Ansätze für
Infrastrukturmaßnahmen.“
Ein ganzes Bündel an Maßnahmen muss diese Förderwege
unterstützen: Erhalt der wohnortnahen Schulen, Ganztagsangebote auch
im ländlichen Raum, Nachbesserung beim Bayerischen Kindergartengesetz,
integrierte medizinische Versorgung, Pflegenetzwerke und vieles mehr.
Die Förderung des ländlichen Raumes muss eine ressortübergreifende
Querschnittsaufgabe werden. Natürlich gehören auch die ganz harten
Infrastrukturmaßnahmen dazu: Schienenanbindungen und Straßen, moderne
Telekommunikation und Technologietransfereinrichtungen. Keine Frage:
Kongresse zum Thema sind gut, Haushaltsansätze sind besser. Und gar
nichts bringen Sätze wie dieser: „ Natürlich werden große Wünsche für
den ländlichen Raum formuliert. Aber man muss sehen: was passiert in
der Welt?“ Ich weiß jetzt nicht genau, so Dupper, was uns der
Ministerpräsident damit sagen wollte; auf alle Fälle sollte ihm klar
sein, dass der größte Teil Bayerns ländlicher Raum ist! Und dass
dieser die nötigen Freiheiten und Mittel braucht.
Bürokratieabbau sollte nach Ansicht des
SPD-Finanzsprechers Daueraufgabe sein. Offenbar ist aber mit der
flächendeckenden Liquidation von dezentralen Ämtern und Behörden
dieses Thema vergessen. Den nächsten Schritt, nämlich Reform der
obersten Dienststellen traut sich keiner zu machen. Und den
wichtigsten Schritt, nämlich den Abbau von Vorschriften überlässt man
ganz irgendwelchen Kommissionen. So wundert es nicht, dass die
Weisheit von Verwaltungsreformen massiv bezweifelt wird- Beispiel
Polizeireform. Mittlerweile ist ja wenigstens ein Teil der Kosten
bekannt. An den neuen Orten der neuen Präsidien erfolgen umfangreiche
Umbauten. Von denen war bei Verabschiedung der Reform nicht die Rede.
Und obendrein wird das Herzstück der Reform, nämlich mehr Polizisten
auf die Straße zu bringen zur Makulatur. Es ist wie immer: die
Indianer haben keine Chance gegen die Häuptlinge. So wird umgebaut, so
wird munter im B-Bereich befördert und so werden munter Kritiker mit
einem Maulkorb bedacht. Eine Verwaltungsreform ist das nicht. Kosten
werden dann im nennenswerten Umfang gespart, wenn Vorschriften fallen
oder gar nicht erst erlassen werden.
In einer kleinen Bayerwaldgemeinde kann man ihre
Regulierungswut gleichsam am lebendigen Objekt verfolgen. Die Gemeinde
benötigt ein neues Feuerwehrfahrzeug. Sie hat sich als Ersatz für das
28 Jahre alte Fahrzeug ein zweckdienliches Tragkraftspritzenfahrzeug
ausgesucht, das immerhin 100 000 € kostet – eine Menge Geld für die
Gemeinde. Und dann kommt die Staatsregierung und schreibt der Gemeinde
vor, dass sie ein Fahrzeug für 270 000 € kaufen soll. Natürlich
bleibt der Zuschuss der gleiche. Es sind diese Vorfälle, die ihre
Bürgermeister nur noch zu einem müden Lächeln verführen, wenn sie von
Bürokratieabbau hören. Und es sind diese Vorfälle, die Bayern im
Ländervergleich ziemlich weit hinten sehen. Die Staatsregierung liebt
sie ja, diese Rankings. Jüngst hat die Wirtschaftswoche wieder eines
veröffentlicht; über die Wirtschaftskraft der Länder. Bayern schneidet
sehr passabel ab. Aber nicht in jeder Kategorie. Bei der Kategorie
„dieses Land vermeidet Bürokratie“ landet Bayern auf Platz 14 von 16!
Dupper:“Mit dem Doppelhaushalt 2007/08 sollten wir dem Thema
Entbürokratisierung neuen Schwung verleihen.“
Beim kommunalen Finanzausgleich sind wir dieses Jahr
ein gutes Stück weiter gekommen. „Allerdings bleiben Themen wie die
vollständige Übernahme der G8-Kosten auf der Tagesordnung. Ebenfalls
müssen wir uns mittelfristig eine Anpassung des Finanzausgleichs an
die demographischen Gegebenheiten überlegen. Und zu guter Letzt
sollten die überlangen Wartezeiten auf Zuschüsse der Vergangenheit
angehören,“ betonte der SPD-Finazexperte.
Für all diese Aufgaben benötigt der Staat natürlich
die adäquate Finanzausstattung. Und so sehr wir gewillt sind, bei den
obersten Dienststellen einzusparen, wird sich die SPD um eine
ausreichende personelle Ausstattung an den Schulen, in der Justiz, bei
der Polizei, bei den Lebensmittelkontrollen und in den Finanzämtern
bemühen.
Dupper: „Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf guten Service,
auf garantierte Sicherheit und Zukunftschancen.“
Im Wortlaut zum Download (PDF):
Investitionen, Bildung und Strukturpolitik - die Schwerpunkte der
nächsten Jahre
Rede des haushaltspolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion,
Jürgen Dupper, MdL, im Bayerischen Landtag zur Einbringung des
Doppelhaushaltes 2007/2008
Keinen Raum für private Sicherheitsdienste
lassen. Allein die Polizei ist zuständig für Sicherheit und Ordnung
Die öffentliche Sicherheit und Ordnung in ganz Bayern
soll allein die Polizei gewährleisten. Die SPD-Landtagsfraktion
forderte die Staatsregierung in einem Dringlichkeitsantrag auf,
umgehend durch einen entsprechenden Einsatz der Bayerischen Polizei in
allen Landesteilen dafür Sorge zu tragen, dass für eine Beauftragung
privater Sicherheitsdienste zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und
Ordnung durch die Kommunen keinerlei Anlass und Raum verbleibt.
"Jüngste Erkenntnisse zeigen, dass es sich bei dem
Einsatz privater Sicherheitsdienste zu streifenähnlichen Tätigkeiten
in Schweinfurt und einigen unterfränkischen Gemeinden nicht um
absonderliche Einzelfälle handelt. Vielmehr setzen auch außerhalb
Unterfrankens Kommunen private Sicherheitsdienste ein, um die
öffentliche Sicherheit aufrechterhalten zu können. Zu nennen sind etwa
die Gemeinden Altomünster und Karlsfeld im Landkreis Dachau," betont
die innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Helga
Schmitt-Bussinger.
Dies zeige deutlich, dass es sich bei den in Unterfranken kritisierten
Vorkommnissen nicht allein um ein Problem örtlicher
Verantwortungsträger gehandelt hat. Die Personaldecke der Bayerischen
Polizei ist an mehreren Orten Bayerns offenbar so dünn geworden, dass
Gemeinden sich gezwungen sehen, private Sicherheitsunternehmen zu
engagieren, um die Sicherheit ihrer Bürger zu gewährleisten.
Links zum Thema:
SPD-Dringlichkeitsantrag: Keinen Raum für private Sicherheitsdienste
lassen - Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
durch die Landespolizei in ganz Bayern!
Keinen Raum für private Sicherheitsdienste lassen!
Rede von Helga Schmitt-Bussinger im Bayerischen Landtag
Bessere Chancen für mehr Kinder in Bayern: SPD-Fraktion fordert
Einführung der Regionalschule in geeigneten Regionen
Bayerns Bevölkerung wird in den nächsten Jahrzehnten
deutlich zurück gehen. Bereits heute gehen vielen Schulen gerade in
ländlichen Gebieten buchstäblich die Schüler aus. Die Staatsregierung
reagiert darauf mit Schulschließungen. Die Folge: Für die verbliebenen
Familien werden weite Teile Bayerns noch unattraktiver. Vielen
Gemeinden droht bildungspolitisch das aus.
Ein Alternativkonzept zu dieser Entwicklung hat jetzt
die SPD-Landtagsfraktion vorgestellt. Wir setzen auf die Einführung
von Regionalschulen überall dort, wo ansonsten Schulschließungen
drohen, und wo Eltern, Schulen und Gemeinden die Regionalschule
wollen. Vorbild sind dabei andere Bundesländer wie Rheinland-Pfalz und
Mecklenburg-Vorpommern, die gute Erfahrungen gemacht haben.
Die Regionalschule führt die Schülerinnen und Schüler
der Haupt- und Realschulen in einer regionalen Schule zusammen. Der
Vorteil: So lässt sich ein dichteres, wohnortnahes Schulnetz erhalten.
Alle Schüler sollen in der Regionalschule als Regelabschluss die
Mittlere Reife erreichen können. Bessere individuelle Förderung und
moderne Schulformen wie Ganztagsunterricht helfen dabei allen
Schülern, bessere Leistungen zu erbringen.
Links zum Thema:
Aktuelle Stunde zur wohnortnahen Schule wird für CSU zum Rohrkrepierer
SPD für den Erhalt der wohnortnahen Schule
Auszüge aus den Reden der SPD-Bildungspolitiker in der Aktuellen
Stunde des Bayerischen Landtags (PDF)
Regionalschule statt Schulschließungen
SPD will für alle Bürger Einsichtsrecht in
staatliche Verwaltungsvorgänge
Die bayerischen Bürger und Bürgerinnen sollen nach dem
Willen der SPD einen verbesserten Zugang zu staatlichen Informationen
bekommen. Dies regelt ein Gesetzentwurf der SPD zum
Informationsfreiheitsgesetz. Bisher können Daten zu einzelnen
Verwaltungsvorgängen und Entscheidungen nur von Bürgern eingesehen
werden, die unmittelbar betroffen sind oder ein berechtigtes Interesse
auf Einsicht nachweisen können.
Die SPD will das Einsichtsrecht in staatliche
Verwaltungsvorgänge allen zukommen lassen. "Verwaltungsentscheidungen
werden immer komplexer und können viele Menschen betreffen, zum
Beispiel im Umwelt- und Verbraucherschutz. So gelten beim aktuellen
Gammelfleischskandal nur die beschuldigten Unternehmer als Betroffene,
nicht aber die Verbraucher", erklärt der SPD-Landtagsabgeordnete
Florian Ritter.
Die SPD ist der Auffassung, dass das alte Recht nicht
mehr ausreicht und das Grundrecht der Bürger auf Information gestärkt
werden muss. Die Einwände der CSU, nach denen das
Informationsfreiheitsgesetz zu viel Bürokratie nach sich zieht, lässt
Ritter nicht gelten: "Die CSU nennt sich zwar bayerisch, aber sie
handelt wie einst der preußische Obrigkeitsstaat."
Informationsfreiheitsgesetze gibt es weltweit in bereits über 60
Staaten.
Mehr:
Gesetzentwurf zur Regelung des Zugangs zu Informationen des
Freistaates Bayern und zur Änderung weiterer Vorschriften (Bayerisches
Informationsfreiheitsgesetz - BayIFG) |