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Staatsregierung versucht mit dem kommunalen Finanzausgleich (FAG) 2007
Wiedergutmachung bei den Kommunen
von Helga Schmitt-Bussinger, MdL,
kommunalpolitische Sprecherin,
und Jürgen Dupper, MdL,
haushaltspolitischer Sprecher
der SPD-Landtagsfraktion
Die Staatsregierung ist offensichtlich um Wiedergutmachung bei den
Kommunen bemüht. Sie kann aber noch immer kein ruhiges Gewissen haben,
da nach wie vor nicht alle Scharten der Vergangenheit beim
Finanzausgleich ausgewetzt sind.
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Mit 6.011,5 Millionen Euro im Jahr 2007 übersteigt erstmals das
Volumen des kommunalen Finanzausgleichs wieder das des Jahres 2003,
das 5.783,1 Millionen Euro betrug. Beginnend mit dem Nachtragshaushalt
2004 war in den Jahren 2004, 2005 und 2006 das Volumen des kommunalen
Finanzausgleichs jeweils unter dem des Jahres 2003.
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Von 2003 auf 2007 wuchs der kommunale Finanzausgleich um insgesamt nur
3,95 Prozent in vier Jahren.
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Die Investitionsfördermaßnahmen im FAG erreichen im Jahr 2007 - trotz
der Steigerung auf 1.468,2 Millionen Euro - bei weitem noch nicht das
Volumen des Jahres 2003 mit 1.649,1 Millionen Euro.
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Die Schlüsselzuweisungen steigen zum weit überwiegenden Teil aufgrund
der sehr positiven Entwicklung der Steuereinnahmen, zu einem geringen
Teil aufgrund der Erhöhung der Verbundquote von 11,6 im Jahr 2006 auf
11,7 Prozent im Jahr 2007. Die Forderung der kommunalen
Spitzenverbände für die Verbundquote – also dem kommunalen Anteil am
allgemeinen Steuerverbund - lautet nach wie vor 15 Prozent.
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Die strukturelle Schwäche bei den Schlüsselzuweisungen bleibt: Mit
11,7 Prozent Kommunalanteil am allgemeinen Steuerverbund ist Bayern im
bundesweiten Vergleich nach wie vor mit Abstand Schlusslicht. Hessen
und NRW beispielsweise beteiligen ihre Kommunen mit 23 Prozent am
allgemeinen Steuerverbund (Umsatz-, Einkommens-, Körperschaftssteuer
und Gewerbesteuerumlage).
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Der kommunale Anteil an der Kfz-Steuer bleibt in Bayern bei niedrigen
42,83 Prozent, nimmt aber wegen des anwachsenden Steueraufkommens um
61,1 Millionen Euro auf 660,4 Millionen Euro um 10,2 Prozent zu. Der
kommunale Anteil an der Kfz-Steuer ging in den vergangenen Jahren
drastisch zurück: 2002 waren es 65 Prozent, 2003 noch 63 Prozent, dann
kam mit dem rigorosen Nachtragshaushalt 2004 die Absenkung auf 42,83
Prozent.
Allgemeine Daten zum kommunalen Finanzausgleich 2007: Bei einer
Zunahme der bayerischen Steuereinnahmen um 2,3 Milliarden Euro (8,7
Prozent) kann auch bei den Kommunen etwas draufgelegt werden.
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Die Finanzausgleichsleistungen insgesamt steigen von 5,710 Milliarden
Euro in diesem Jahr um 301,3 Millionen Euro auf 6,0115 Milliarden Euro
im Jahr 2007. Das ist eine Zunahme um 5,3 Prozent. Aber:
Steuereinnahmen des Freistaats steigen um 8,7 Prozent.
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Die „reinen Landesleistungen", also das, was nur der Freistaat in den
kommunalen Finanzausgleich steckt, steigen von 5,1276 Milliarden Euro
um 319,3 Millionen Euro auf 5,4468 Milliarden Euro. Das ist eine
Zunahme um 6,2 Prozent. Aber: Steuereinnahmen des Freistaats steigen
um 8,7 Prozent.
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Der Sozialhilfeausgleich der Bezirke steigt um 25 Millionen Euro (4,6
Prozent) auf 565 Millionen Euro. Das war überfällig und entspricht
einer langjährigen Forderung der Bezirke. Damit soll sichergestellt
werden, dass alle Bezirke die Bezirksumlage zumindest konstant halten
(Schwaben, Oberfranken) oder sogar senken können.
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Der Belastungsausgleich Hartz IV wird um 28 Millionen Euro (56
Prozent) auf 78 Millionen Euro erhöht. Darin sind 33 Millionen
Wohngeldeinsparung des Freistaats enthalten, die an die Kommunen
weitergeleitet werden müssen.
Bewertung durch den Bayerischen Städtetag
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Oberbürgermeister Hans Schaidinger, Vorsitzender des Bayerischen
Städtetags: „Der Freistaat hat Wort gehalten. Der kommunale
Finanzausgleich wächst deutlich stärker als der Staatshaushalt
insgesamt." Hinsichtlich der Steigerungsrate hat OB Schaidinger Recht.
Der Staatshaushalt steigt von 2006 auf 2007 um 1,89 Prozent, der
kommunale Finanzausgleich steigt um 5,3 bzw. 6,2 Prozent. Allerdings,
die Steuereinnahmen des Freistaates steigen um besagte 8,7 Prozent.
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Schaidinger zur Erhöhung der Verbundquote von 11,6 auf 11,7 Prozent:
„Auch wenn wir uns langfristig mehr wünschen, haben wir doch eine
strukturelle Verbesserung erreicht, die auf Dauer wirkt." (Ziel der
Kommunen sind immer noch 15 Prozent.)
Forderungen der SPD-Landtagsfraktion zum kommunalen
Finanzausgleich
Im Rahmen der Haushaltsberatungen in diesem Herbst wird die
SPD-Landtagsfraktion einige wenige, allerdings wichtige Forderungen in
den Landtag einbringen. Zunächst sollen die Investitionen gestärkt
werden. Wir halten ein Schulhaussanierungsprogramm (22 Millionen Euro
pro Haushaltsjahr) und die Förderung der Sanierung kommunaler Bäder (20
Millionen Euro pro Haushaltsjahr) für geboten. Für die Gemeinden, die
unter Bevölkerungsrückgang leiden und meist in strukturschwachen
Gebieten liegen, müssen die Bedarfszuweisungen deutlich angehoben werden
(20 Millionen Euro pro Haushaltsjahr), da bei den Schlüsselzuweisungen
die Einwohnerverluste trotz des neuen Demographiefaktors nach wie vor
nicht ausreichend Berücksichtigung finden.
Insgesamt sind das 3 Forderungen zum kommunalen Finanzausgleich 2007
mit einem Volumen von zusammen 62 Millionen Euro pro Haushaltsjahr,
davon jeweils 42 Millionen für Investitionen. Damit wird unsere
Schwerpunktsetzung in einem verantwortungsvollen und vor allem auch
finanzierbaren Rahmen deutlich.
Links zum Thema:
Die Gewerbesteuer „läuft" wieder
Nach den massiven Einbrüchen in den Jahren 2001/2002/2003 „läuft" die
Gewerbesteuer, die wichtigste kommunale Einnahmequelle, wieder. Vor
allem mit der Gemeindefinanzreform 2003 – zur Zeit der SPD geführten
Bundesregierung - wurden eine Reihe von Maßnahmen beschlossen (Senkung
der Gewebesteuerumlage, Verbreiterung der Bemessungsgrundlage wie etwa
Mindestgewinnbesteuerung), durch die die Einnahmen der Kommunen aus der
Gewerbesteuer spürbar anstiegen. Die Einnahmen der Gemeinden in Bayern
aus der Gewerbesteuer betrugen im Jahr 2003 nur 2,6 Milliarden Euro, im
Jahr 2005 waren es 4,27 Milliarden Euro und im ersten Halbjahr 2006
stiegen die Gewerbesteuereinnahmen weiter um 14,2 Prozent an.
Informationen zum Doppelhaushalt 2007/2008: „Mehr schwarzes Loch
als schwarze Null"
In der Haushaltspolitik der CSU und der Staatsregierung gibt es eine
Reihe von zumindest nicht zu erwartenden „Kausalitäten", wenn nicht
sogar absurden Gesetzmäßigkeiten:
Im Jahr 2007 werden die Steuereinnahmen gegenüber diesem Jahr um
2,279 Milliarden Euro steigen, das sind 8,7 Prozent mehr. Von 1994 bis
2007 werden die Privatisierungserlöse den Stand von über 7 Milliarden
Euro erreicht haben, mit dem Jahr 2008 sogar 7,8 Milliarden. Diese
beiden – fiskalisch nicht nur hervorragenden, nein, eigentlich gar nicht
mehr zu übertreffenden Voraussetzungen für einen Haushalt– führen im
Jahr 2007 zu:
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Einer Vergrößerung des Haushaltsvolumens von nur 663,7 Millionen Euro,
das sind lediglich 1,89 Prozent mehr. Von den Steuermehreinnahmen
kommen auf der Ausgabenseite des Haushalts nur 30 Prozent an
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Einem Finanzierungssaldo von über einer „stolzen" halben Milliarde
Euro
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Einem massiven Griff in die Rücklagen in Höhe eben dieser halben
Milliarde Euro
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Einer „schwarzen Null", die in keinem ihrer drei Haushaltsjahre
wirklich konsolidiert ist
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Der angeblichen Notwendigkeit zusätzlicher Einnahmequellen:
Studiengebühren
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Einem dramatischen Verfall, ja einer Halbierung der Investitionsquote
seit dem Amtsantritt des Ministerpräsidenten auf nur mehr rund 12
Prozent
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Einem Rückgang des Anteils der Schulen am Haushalt von 17,45 Prozent
in 2006 auf 17,30 Prozent in 2007, schließlich auf 17,06 Prozent in
2008. Bliebe der Anteil der Schulen konstant, hätten die Schulen 2007
52,8 Millionen Euro mehr und 2008 142,9 Millionen Euro mehr
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Einer Erhöhung der staatlichen Mittel (ohne Studiengebühren) für die
Hochschulen um nur 52,9 Millionen Euro.
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Einem Absinken des Sozialetats um 34,7 Millionen Euro gegenüber dem
Vorjahr
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Einem Sozialetat (Einzelplan 10), der unter dem des Jahres 2004 und
nur um 3,6 Millionen Euro über dem des Jahres 2003 liegt, wenn man die
240 Millionen Euro Bundesmittel im Rahmen von Hartz IV abzieht, die
erst seit 2005 über diesen Einzelplan abgewickelt werden
Der Doppelhaushalt 2007/2008 ist ein Haushalt, der die
Steuermehreinnahmen (2,279 Milliarden Euro in 2007 und nochmals 633
Millionen Euro in 2008) und die Privatisierungserlöse (461 Millionen
Euro in 2007 und 799,2 Millionen Euro in 2008) nur so verschlingt, ohne
dass eine auch nur annähernd vergleichbare Ausweitung des Volumens
stattfindet. Fast könnte man sagen, die Milliarden verschwinden im
Nichts. Der Doppelhaushalt ist mehr schwarzes Loch als Schwarze Null.
Entwurf bayerischer Doppelhaushalt 2007/2008:
Ausgewählte Daten in Mio. Euro
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2006 |
2007 |
2008 |
| Gesamtvolumen |
35.141,9 |
35.805,6 |
36.303,3 |
| Veränderung gegenüber Vorjahr |
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+663,7 |
+497,7 |
| Veränderungsrate gegenüber Vorjahr |
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+1,89 % |
+1,39 % |
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| 1. Einnahmen |
| Steuereinnahmen insgesamt |
26.135,0 |
28.414,0 |
29.047,0 |
| Veränderung gegenüber Vorjahr |
|
+2.279,0 |
+633,0 |
| Steuerdeckungsquote |
74,37 % |
79,36 % |
80,01 % |
| Nettokreditaufnahme am Kreditmarkt |
- |
- |
- |
| Rückzahlung Flughafendarlehen |
412,5 |
- |
- |
| Einnahmen aus Studienbeiträgen |
- |
150,2 |
150,2 |
| |
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| 2. Finanzierungssaldo
und Maßnahmen zum Haushaltsausgleich |
| Finanzierungssaldo |
719,4 |
509,6 |
509,9 |
| Saldo Entnahme aus Rücklagen |
719,4 |
509,6 |
509,9 |
| Globale Minderausgaben |
523,4 |
479,0 |
476,6 |
| Verwendung E.ON-Erlöse insgesamt |
1.356,7 |
461,0 |
628,1 |
| Rückzahlbare Ablieferung des
Grundstocks (E.ON-Erlöse) |
760,0 |
- |
171,1 |
| |
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| 3. Ausgaben |
| Personalausgaben |
15.127,0 |
15.393,7 |
15.849,1 |
| Veränderung gegenüber Vorjahr |
|
+266,7 |
+455,4 |
| Personalausgabenquote |
43,05 % |
42,99 % |
43,66 % |
| Investitionen |
4.514,3 |
4.468,2 |
4.264,0 |
| Veränderung gegenüber Vorjahr |
|
-46,1 |
-204,2 |
| Investitionsquote |
12,85 % |
12,48 % |
11,75 % |
| Länderfinanzausgleich (LFA) |
2.200,0 |
2.280,0 |
2.360,0 |
| LFA-Steuer-Quote |
8,41 % |
8,02 % |
8,12 % |
| Schulen (ohne Versorgung) |
6.131,6 |
6.195,3 |
6192,0 |
| Anteil am Haushaltsvolumen |
17,45 % |
17,30 % |
17,06 % |
| Kommunaler Finanzausgleich (FAG) |
5.710,2 |
6.011,5 |
|
| Anteil am Haushaltsvolumen |
16,25 % |
16,79 % |
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| FAG reine Landesleistungen |
5.127,6 |
5.446,8 |
|
| Veränderung gegenüber Vorjahr |
+5,5 |
+319,2 |
|
| Investitionsfördermaßnahmen im FAG |
1.376,1 |
1.468,2 |
|
| Schlüsselzuweisungen |
2.063,2 |
2.149,5 |
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| (Verbundquote) |
(11,6 %) |
(11,7 %) |
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| Transrapid |
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VE 185,0 fällig frühestens 2009 |
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Erläuterungen:
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Die Steuerdeckungs- und Personalausgaben-Quoten differieren
geringfügig von denen im Heft der Staatsregierung, da die
Staatsregierung mit den Ausgaben in der Abgrenzung des
Finanzplanungsrates rechnet. Die Quoten hier sind mit dem kompletten,
in der Tabelle ausgewiesenen Ausgabenvolumen berechnet.
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LFA-Steuer-Quote: Zahlungen in den Länderfinanzausgleich in
Prozent der Steuereinnahmen.
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