"Das gesamte Elterngeld ist die Idee der SPD"

 

 

 

"Es wäre mir lieber, wenn es freiwillig gehen würde," erklärt Renate Schmidt, ehemalige Bundesfamilienministerin, zur Einführung so genannter Vätermonate: Aber wenn in zwanzig Jahren die Beteiligung der Väter an der Erziehungszeit um nur 2,5 Prozent steigt, "sieht man, dass es allein auf freiwilliger Ebene nicht geht." Über die ursprüngliche Idee des Elterngeldes ein Interview

 

  Renate Schmidt  
  Schmidt: "Elternzeit nun auch für Väter möglich"  

Die CDU-Familienministerin Frau von der Leyen propagiert das Thema Vätermonate sehr geschickt. Dabei war es doch ursprünglich eine Idee der SPD?

Das gesamte Elterngeld ist die Idee der SPD und nicht nur die Vätermonate. Ich bin froh, dass das Frau von der Leyen fortsetzt, aber wir haben das ja auch genau so im Koalitionsvertrag festgeschrieben.

Das bedeutet aber auch, dass sich die CDU ein ursprüngliches SPD-Thema zu Eigen macht?

Das ist die logische Konsequenz daraus, dass auf das Familienministerium verzichtet wurde. Nun kann die Partei, die das Ministerium ergriffen hat, auch die Themen für sich vereinbaren. Wir haben die Mehrwertsteuererhöhung zu vertreten und Frau von der Leyen kann das Elterngeld verkünden. Nun sind die Erfolge auf der anderen Seite und die unangenehmen Wahrheiten müssen wir vertreten.

Unionspolitiker argumentieren gerne, dass die Einführung der „Vätermonate“ eine Einmischung des Staates in das Familienleben sei. Ist es das?


Es wäre mir lieber, wenn es freiwillig gehen würde. Seit ungefähr zwanzig Jahren haben wir das Erziehungsgeld. In diesen zwanzig Jahren hat sich die Beteiligung der Väter an der Erziehungsarbeit von ungefähr 2 Prozent auf knapp 5 Prozent erhöht, trotz zusätzlicher Maßnahmen der rot-grünen Regierung, wie mehr Flexibilität und allen Aufteilungsmöglichkeiten, die zwischen Vater und Mutter überhaupt vorstellbar sind. Wenn in zwanzig Jahren der Prozentsatz um knapp drei Prozent steigt, sieht man, dass es allein auf freiwilliger Ebene nicht geht.

Und das Elterngeld wird dies ändern?

Ja, aus folgenden Gründen: Das Erziehungsgeld hatte bisher eine Höhe von maximal 300 Euro. Damit lässt sich ein Einkommen nicht ersetzen. Wenn man bedenkt, dass Männer in Deutschland immer noch ungefähr 20 Prozent mehr verdienen als Frauen und damit den größeren Teil des Familieneinkommens verdienen, ist es schon aus ökonomischen Gründen nicht möglich, auf dieses Einkommen zugunsten eines Minimalbetrags von maximal 300 Euro zu verzichten. Das wird mit dem Elterngeld gegenstandslos. Wenn man 2/3 seines Gehalts als Elterngeld bekommt, ist Elternzeit auch für die Väter möglich.

Also wird das Engagement der Väter zunehmen?

In Schweden hat es zunächst nur einen leichten Anstieg gegeben, aber inzwischen sind es immerhin 37 Prozent der Väter, die eine Elternzeit in Anspruch nehmen. Bei uns wird es nicht so lange dauern, bis diese Prozentsätze erreicht werden, weil zunehmend junge Männer Väter werden wollen und Väter sein sollen.

Aber kürzlich wurde eine Studie veröffentlicht, wonach 66 Prozent der Deutschen die so genannten Vätermonate ablehnen!


Nun, dabei gilt zu bedenken, dass bei einer solchen Studie alle befragt werden. Gerade die ältere Generation kann sich aber gar nicht vorstellen, dass so etwas gemacht werden kann. Fragt man aber die, die Eltern sind oder Eltern werden wollen, dann dürfte die ganze Sache schon etwas anders aussehen.

Reicht das Elterngeld nicht?


Natürlich reicht das Elterngeld nicht. Es gibt niemals nur ein einziges Instrument, um das Vernünftige in der Familienpolitik zu erreichen. Wir müssen für gute Betreuungsmöglichkeiten sorgen. Auch das steht im Koalitionsvertrag. Wir müssen für adäquate Arbeitsbedingungen sorgen, damit Familie und Beruf auch möglich ist, und wir müssen die Wirtschaft mit ins Boot nehmen. Auch das steht im Koalitionsvertrag. Nicht eine Maßnahme ist der Königsweg, sondern alle zusammen.

Was sagt Renate Schmidt zu 12 + 2, also 12 Monate Elterngeld plus 2 Monate Bonus, wenn die Väter Elternzeit nehmen?

Das ist das gleiche wie 10 + 2, nur zwei Monate länger. Ich freue mich über jeden Monat, den es mehr gibt, wenn es denn finanzierbar ist. Unsere ursprüngliche Idee war ja die: Zwei Monate Elterngeld verbindlich für die Mutter, das ist im Fall durch die Mutterschutzfrist schon geschehen. 2 Monate muss der Vater verbindlich in Anspruch nehmen. Den Rest der Elternzeit sollen sich die Eltern so aufteilen, wie sie das mögen.

Und Alleinerziehende?


Es war immer so gedacht, dass Alleinerziehende den vollen Anspruch auf die gesamte Zeit haben. So steht es im Koalitionsvertrag. Also im Prinzip hat die Union durch ihren parteiinternen Streit das Elterngeld um zwei Monate verlängert, mich soll es freuen.