Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Adventsgestecke in Büros und Wohnungen, Lichter und Tannenbäume in den
Einkaufszentren - niemand kommt daran vorbei, dass Weihnachten vor der Tür
steht. Auch wenn der Glanz, den das Fest auf einen ausübte, als man noch
klein war, mit zunehmendem Alter etwas abnimmt, so übt Weihnachten auch auf
Erwachsene seine Faszination aus.
Wer kann - und will - sich dem Lichterglanz und den erwartungsvollen
Augen von Kindern oder Enkeln schon entziehen? Wer ist nicht davon angetan,
wenn weihnachtlicher Schmuck den Innenstädten, Büros und Wohnungen eine ganz
eigene Atmosphäre verleiht? Wer freut sich nicht, mit der Familie bei einem
guten Essen gemütlich zusammen zu sitzen oder, wie sich am Weihnachtsmarkt
treffen ?
Nur leider ist die Advents- und Weihnachtszeit nicht immer so
stimmungsvoll, sie hat auch ganz andere Seiten. Der Konsum fordert seinen
Tribut, und die Jagd nach immer aufwendigeren Geschenken bringt nicht nur
ein leeres Portemonnaie, sondern auch Stress und Hektik mit sich.
Und schon sind wir mitten in der Überlegung, was Weihnachten heute noch
bedeuten könnte. Sind die Weihnachtstage für uns ein paar arbeitsfreie Tage,
sind sie ein Zeitpunkt für Familienfeiern, hat das Fest für uns noch eine
Aussage? Fühlen wir uns von der Weihnachtsbotschaft angesprochen, der
Verheißung einer friedlicheren, besseren Welt, der Frage nach dem Sinn des
Lebens?
Diese Frage muss natürlich jeder für sich selbst beantworten. Doch die
Frage, wohin sich unsere Gesellschaft bewegt oder bewegen sollte, wie sich
das Zusammenleben verbessern ließe oder was die Menschen brauchen, um
menschenwürdig zu leben, sind nicht nur von unveränderlicher Aktualität,
sondern auch für jede Gemeinschaft von Bedeutung.
Und was den Menschen angeht - was brauchen wir für unser Leben?
Doch der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er braucht auch menschliche
Nähe. Er braucht Zuwendung und Anerkennung, Geborgenheit und Aufmunterung.
Vieles, was ihm wichtig, was für sein Wohlbefinden unverzichtbar ist, kann
er nicht kaufen, sondern bekommt es über zwischenmenschliche Beziehungen. Er
findet es, wenn er sich auf andere Menschen einlässt, wenn er bereit ist,
auch selbst etwas zu geben.
Dass es etwas bringt, einmal innezuhalten und zu fragen, welchen Sinn
unser Tun hat oder haben könnte, daran kann uns Weihnachten, daran kann uns
seine Botschaft erinnern.
Aber bei aller Beschaulichkeit wollen wir nicht vergessen, dass
Weihnachten auch ein fröhliches Fest ist.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Angehörigen ein frohes und
friedliches Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr. Möge sich der Wunsch
nach Frieden und Glück bei allen Menschen auf dieser Welt erfüllen.
Ihr Harry Scheuenstuhl
|